Gene und Umwelt

Genetische Veranlagung

  • Familien- und Zwillingsstudien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit an einer Schizophrenie zu erkranken, wenn bereits ein Familienangehöriger davon betroffen ist, mit steigendem Verwandtschaftsgrad zum Erkrankten zunimmt.
  • So haben biologische Verwandte ersten Grades ein ungefähr zehnfach höheres Risiko für die Erkrankung als die Allgemeinbevölkerung.
  • Bei zweieiigen Zwillingsgeschwistern liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Zwilling des an Schizophrenie erkrankten die Störung ebenfalls entwickelt, bei etwa 12 Prozent.
  • Bei eineiigen Zwillingen ist diese Wahrscheinlichkeit deutlich höher und liegt bei ca. 45-50 Prozent.



Was bedeutet das für Betroffene und ihre Angehörigen?
Die Tatsache, dass selbst bei vollständiger Übereinstimmung des Erbgutes (d. h. Eineiigkeit) das Risiko für den nicht erkrankten Zwilling bei 50% liegt, bedeutet, das schizophrene Psychosen keine Erbkrankheit sind. Die erhöhte, nicht aber hundertprozentige Übereinstimmung zeigt, dass einer erblichen Veranlagung durchaus eine Bedeutung zukommt, diese jedoch nicht als alleiniger Verursachungsfaktor in Frage kommt. Eine Erkrankung von Kindern oder Angehörigen eines Betroffenen ist nicht zwangsläufig. Das Ausbleiben einer Erkrankung ist vielmehr sogar wahrscheinlicher als ihr Auftreten.

Psychosoziale Faktoren (Stress)

  • Betroffene und Angehörige berichten oft, dass es erst durch Überlastung und Stress im Vorfeld zu einem Ausbruch der Erkrankung gekommen ist.
  • Solche Stressoren und Belastungen können sein:

- Lebensumbruchsituationen (z. B. Ablösung aus dem Elternhaus, Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums)

- anstehende Prüfungen in Ausbildung oder Beruf

- belastende Lebensereignisse (Krankheiten, Todesfälle)

- oder einfach auch nur eine Häufung von Auseinadersetzungen, täglichen Ärgernissen o. ä.

  • Immer wieder wurde auch diskutiert, ob nicht auch ein falsches Erziehungsverhalten der Eltern zur Entstehung von schizophrenen Erkrankungen beitragen könne. Bis heute gibt es aber keinerlei Beweise, dafür, dass Verhaltensweisen von Eltern für die Verursachung von Schizophrenie verantwortlich sind. Dafür spricht, dass es viele Kinder gibt, die einem problematischen, elterlichen Erziehungsverhalten ausgesetzt waren, und keine schizophrene Psychose entwickelt haben.
  • Heute nehmen Fachleute an, dass Störungen und Spannungen im familiären Umfeld wahrscheinlich eher den Verlauf einer Störung beeinflussen als diese auslösen würden. Studien haben gezeigt, dass Betroffene schneller einen Rückfall erleiden, wenn sie in erhöhtem Maße familiären Konflikten ausgesetzt sind. Ein Familienklima, welches charakterisiert ist durch viel Kritik oder durch übertriebene Fürsorglichkeit der Angehörigen, kann Stress auslösen.
  • Ob eine Person mit einer genetischen Verletzlichkeit für eine Schizophrenie auch tatsächlich erkrankt, hängt aber auch maßgeblich von ihrer Belastbarkeit ab.
  • Wie belastbar ein Mensch ist, hängt von vielen Faktoren ab (z. B. davon wie jemand gelernt hat mit Problemen umzugehen). Manche Menschen sind belastbarer als andere. Es gibt auch Lebensphasen, in denen ein Mensch weniger belastbar ist als in bestimmten anderen Zeiten.