Plus-Symptome

Überzeugung von ungewöhnlichen Sachverhalten (Wahn)

  • Betroffene, die unter Wahn leiden berichten oft von Überzeugungen, die sie mit großer Gewissheit vertreten und die ungewöhnliche oder beängstigende Inhalte haben. Diese Überzeugungen beruhen nicht auf Tatsachen, die Realität wird falsch eingeschätzt. Die Betroffenen sind davon aber meistens gar nicht oder nur kurzweilig zu überzeugen. Es fällt ihnen dann sehr schwer Argumente, die gegen ihre Überzeugung sprechen in ihre Einschätzung der Situation miteinzubeziehen. Ob bestimmte Überzeugungen tatsächlich wahnhaften Charakter haben, hängt vor allem davon ab, wie gut jemand in der Lage ist, verschiedene Beobachtungen und Meinungen von außen zu berücksichtigen und diese dann auch korrigieren kann, wenn sie offensichtlich nicht gerechtfertigt sind.
  • Wahn kann sich inhaltlich um ganz unterschiedliche Themen drehen. Besonders häufig jedoch fürchten Betroffene, dass andere Menschen, bestimmte Gruppierungen oder Organisationen ihnen etwas Schlechtes antun, sie quälen, betrügen, verfolgen oder der Lächerlichkeit preisgeben wollten. Typische Gedanken, die Betroffene mit einem so genannten Verfolgungswahn berichten, sind beispielsweise „Es gibt bestimmte Personen, die es auf mich abgesehen haben“, oder „Ich bin Opfer einer Verschwörung meiner Nachbarn“, „Ich werde von der Polizei kontrolliert“.
  • Verbreitet ist auch der so genannte Beziehungswahn. Hier nimmt der Betroffene an bestimmte Gesten oder Kommentare von Mitmenschen, Ausschnitte aus Büchern, Zeitungen,Liedertexten oder andere Hinweise aus der Umgebung seien speziell auf ihn gemünzt. Z. B. könnte jemand glauben der Nachrichtensprecher im Fernsehen teile ihm/ihr durch die Art wie er bestimmte Worte betont, verschlüsselte Botschaften in den Meldungen mit.
  • Sind Betroffene der Überzeugung, sie hätten außergewöhnliche Begabungen und Fähigkeiten, seien in Wirklichkeit z. B. eine verkannte Künstlerpersönlichkeit oder ein bedeutender Politiker, spricht man von Größenwahn. Gedanken eines Betroffenen könnten z. B. sein: „Ich sollte vielleicht doch endlich meine Arbeitsstelle kündigen, um mich für das Amt des Außenministers zu bewerben. Nur ich allein kann doch dafür sorgen, dass endlich etwas gegen die Missstände in dieser Welt unternommen wird.“

Sinnestäuschungen (Halluzinationen)

  • Betroffene berichten oft von sehr ungewöhnlichen, beunruhigenden und angstauslösenden Sinneswahrnehmungen. Damit meinen sie dann das Hören von Stimmen oder Geräuschen, seltener auch das Sehen oder Riechen von Dingen, die andere Menschen nicht wahrnehmen können. Betroffene erzählen dann beispielsweise: „Ich konnte meine Freundin ganz deutlich sagen hören, ich solle endlich meine Wohnung aufräumen, saß dabei aber ganz allein in meinen ruhigen Zimmer“.
  • Solche Erfahrungen bezeichnen Fachleute als Sinnestäuschungen oder Halluzinationen. Bei einer Halluzination handelt es sich um eine Sinneswahrnehmung, die von dem Betroffenen für einen wirklichen Sinneseindruck gehalten wird, obwohl kein entsprechender realer Sinnesreiz vorhanden ist. Sie können in jeder Sinnesmodalität auftreten. Bei psychotischen Störungen kommen am häufigsten akustische Halluzinationen (Stimmenhören) vor.
  • Die Erfahrung des Stimmenhörens wird von vielen Patienten als sehr beunruhigend und störend beschrieben, da sie mit dem Gefühl einhergehen, nicht mehr zwischen Realität und „Einbildung“ unterscheiden zu können.

Fremdbeeinflussungserlebnisse („Ich-Störungen“)

  • Betroffene berichten oft von der Erfahrung, dass es sich für sie so anfühle als ob ihre Empfindungen, Gedanken oder Handlungen in irgendeiner unerklärlichen Weise von außen beeinflusst, kontrolliert oder gesteuert werden könnten. Sie berichten dann beispielsweise: „Ich habe das Gefühl, die Gedanken, die ich habe, sind gar nicht meine eigenen, die hat jemand in meinen Kopf gesteckt“, „Andere können das, was ich denke ganz bestimmt irgendwie lesen oder hören“ oder „Meine Handlungen sind von anderen Personen oder Mächten beeinflusst, ich selbst möchte mich oft ganz anders verhalten, kann das aber nicht“.
  • Fachleute haben zur Beschreibung solcher Erfahrungen den Begriff „Ich-Störung“ eingeführt. Er soll verdeutlichen, dass der Betroffene die Grenzen zwischen der eigenen Person (Ich) und der Umwelt als in irgendeiner Form durchlässig empfindet.

Denk- und Sprachstörungen

  • Während einer akuten Phase der Erkrankung kann es oft zu Veränderungen beim Denken kommen, der Gedankenablauf kann durcheinander geraten. Dies können die Betroffenen selbst manchmal schwer beschreiben. Für Angehörige und Außenstehende werden diese Schwierigkeiten dann durch die Art und Weise wie die Betroffenen sich mitteilen, wie sie sprechen, deutlich.
  • Patienten berichten „Manchmal springe ich von einem Thema ganz schnell zum nächsten“, „Ich kann einen Gedanken nicht zu Ende denken, da ist eine Sperre in meinem Kopf“, „Ich habe Schwierigkeiten mich länger zu konzentrieren“, „oft habe ich so viele Gedanken gleichzeitig im Kopf, dass ich nicht weiß, welchem ich mich zuerst zuwenden soll.“
  • Für Außenstehende ist es dann unter Umständen sehr schwer einem Betroffenen in seinen Gedankengängen zu folgen, da die Zusammenhänge zwischen den Themen manchmal nicht nachvollziehbar scheinen oder unlogisch sind. Es kann zu Missverständnissen oder gar Streit kommen, wenn es einem Betroffenen schwer fällt auf Fragen konkret und direkt zu antworten, und der Außenstehende der Meinung ist der andere „wolle“ nicht verstehen. In schweren Fällen können Betroffene ihre Gedanken so wenig ordnen und in eine grammatikalisch stimmige Form bringen, dass ihre Sprache kaum verständlich ist. („Wortsalat“).