Projekt 1: Effizienzforschung

Klingberg et al.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung von Positivsymptomen bei psychotischen Störungen
(Cognitive behavioural therapy (CBT) for positive symptoms in psychotic disorders)

Untersuchungsgegenstand

Das Kernprojekt 1 widmet sich der zentralen Fragestellung ob kognitive Verhaltenstherapie (KVT) eine wirkungsvolle und damit indizierte Behandlungsform bei psychotischen Erkrankungen mit ausgeprägter Positivsymptomatik darstellt, d. h. eine signifikante Verminderung von Positivsymptomen wie Wahn und Halluzinationen durch entsprechende Interventionen erreicht werden kann.
Die Beantwortung dieser Frage ist von klinischer Relevanz die zukünftige Optimierung des Behandlungsangebotes betreffend, soll jedoch auch zu einem verbesserten Verständnis psychotischer Erkrankungen beitragen.

Studiendesign

Zur Untersuchung der o. g. Fragestellung wird eine mulizentrische, randomisiert-kontrollierte Studie durchgeführt, in der spezifische Effekte kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) mit einer Kontrollbedingung (Supportive Therapie (ST)) verglichen werden.
Pro Interventionsbedingung werden 163 Patienten mit 20 Therapiesitzungen a 50 Minuten in einem ambulanten Setting über einen Zeitraum von neun Monaten behandelt. Die ersten vier Sitzungen finden in wöchentlichem, die verbleibenden Sitzungen in 14tägigem Rhythmus statt. Anschließende Katamneseuntersuchungen erstrecken sich mit vier Follup-up-Messzeitpunkten zur Kontrolle der Stabilität der erzielten Effekte über zwei Jahre.

Behandlungsmethode
Therapiebedingung: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Die Durchführung erfolgt mittels Behandlungsmanual durch speziell geschulte Therapeuten mit ausreichend Erfahrung in klinisch-praktischer Tätigkeit.
Inhaltlich kommen sowohl kognitive wie auch verhaltensbezogene Strategien zum Einsatz. Fokus der Behandlung liegt auf der Reduktion und Modifikation von Wahnerleben sowie der Förderung von Copingstrategien bei anhaltenden Halluzinationen.
Basierend auf der Annahme, dass der Entwicklung von wahnhaften Überzeugungen Fehler im Wahrnehmungsprozess und der Informationsverarbeitung zugrunde liegen besteht ein zentraler Behandlungsbaustein in der Analyse der Wahrnehmung der Umwelt durch den Patienten. Der Patient wird angeleitet wahnhafte Überzeugungen und damit verbundene Gefühle zu hinterfragen. Mittels kognitiver Techniken werden Wege aufgezeigt alternative Erklärungen für irrationale Gedanken zu finden (Reattribuierung), fehlerhafte Schlussfolgerungen zu korrigieren und die auf bedrohliche Reize eingeengte Wahrnehmung der sozialen Umwelt wieder zu erweitern.

Zur Senkung der Belastung, ausgelöst durch anhaltende halluzinative Phänomene, werden Ablenkungs- und Entspannungsstrategien vermittelt. Gestützt durch den Therapeuten wird der Patient angeleitet Halluzinationen auslösende bzw. begünstigende externe und interne Stimuli zu identifizieren und dann zu reduzieren.
Durch die Förderung sozialer Kompetenzen (z. B. durch therapeutische Rollenspiele) sollen symptombezogene Schwierigkeiten im Umgang anderen, sowie das eigene Selbstkonzept und Selbstwirksamkeitserwartungen modifiziert bzw. erhöht werden.

Kontrollbedingung: Supportive Therapie (ST)

Die Behandlung mit ST dient als Vergleichsbedingung zur Abgrenzung spezifischer Effekte kognitiver Verhaltenstherapie von therapieformunabhängigen, unspezifischen Wirkfaktoren der Psychotherapie auf die Störungssymptomatik. Auch hier ist die therapeutische Vorgehensweise manualbasiert.
Im Rahmen der unterstützenden Behandlung wird der Patient im Umgang mit seiner schizophrenen Erkrankung begleitet. Bestandteile sind empathisches Zuhören seitens des Therapeuten, Besprechen von Entscheidungen, Problemen und Erfahrungen des Patienten sowie Hilfestellungen bei der Strukturierung des Alltags und Freizeitaktivitäten u. ä.. Strategien zur Veränderung von Fehlern bei der Wahrnehmung oder Informationsverarbeitung sind explizit nicht Bestandteil der Behandlung.

Psychotherapie kann und soll die pharmakologische Behandlung nicht ersetzen und stellt eine ergänzende Behandlungsform dar. Aufgrund interindividueller Unterschiede zwischen Patienten ist es bis jetzt nicht möglich eine einheitliche, für alle Patienten gleich effektive Medikation festzusetzen. Unterschiede in der Medikationsform (atypisch vs. klassisch) werden jedoch durch die randomisierte Zuweisung von Patienten in die entsprechende Untersuchungsbedingung ausbalanciert.

Messinstrumente

Positivsymptomatik wird über den Summenscore der Positivitems (P1-P7) der Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS) erfasst. Dabei handelt es sich um eine gut untersuchte, standardisierte Ratingskala, welche als gängiges und valides Messinstrument bereits in einer Vielzahl von Studien zum Einsatz kam.

Ein-/Ausschlusskriterien

1) Patienten müssen die diagnostischen Kriterien einer Schizophrenie (DSM IV 295.1, 295.3, 295.6, 295.9), einer schizophrenieformen (DSM IV 295.4), schizoaffektiven (DSM IV 295.7) oder wahnhaften Störung (DSM IV 297.1) erfüllen. Die Diagnosesicherung erfolgt über ein strukturiertes klinisches Interview (SKID-I).
2) Mittel bis stark ausgeprägte psychotische Symptome, operationalisiert über einen Punktwert von ? 4 bezüglich der Items „Wahn“ (P1) und„Halluzinationen“ (P3auf der PANSS-Skala.
3) Positivsymptome müssen mindestens drei Monate vorhanden sein(unabhängig von Medikamentencompliance oder -noncompliance).
4) Verstehen und Beherrschen der deutschen Sprache.
5) Alter zwischen 18 und 59 Jahren.
6) Verbal-IQ > 80, erfasst über den „Mehrfachwahl Wortschatz Intelligenz-Test“ (MWT-B)
7) Es dürfen keine psychischen Störungen organischer Ursache vorliegen
8) Diagnose eines Substanzmissbrauchs oder Substanzabhängigkeit
9) Entfernung zum Studienzentrum nicht weiter als eine Stunde Fahrzeit
10) Einwilligungsfähigkeit