Projekt 5: Neuropsychologie

Wagner et al.
Kognitive Störungen, Wahnsymptome und Therapieerfolg
(Cognitive deficits and cognitive biases underlying delusional symptoms and therapeutic change)

Untersuchungsgegenstand
Mit dieser Studie wollen wir prüfen, ob wahnhaften Störungen mit der veränderten Wahrnehmung und Interpretation komplexer sozialer Situationen zusammenhängen („kognitive Fehler") und ob eine erfolgreiche kognitive Verhaltenstherapie, die gezielt an diesen Fehlern anzusetzen versucht, ihre Wirksamkeit tatsächlich auch einem Einfluss auf diese basalen Wahrnehmungsprozesse verdankt. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur Frage nach den Wirkmechanismen von kognitiver Therapie bei psychotischen Symptomen.

Da eine kognitive Verhaltenstherapie, wie andere Psychotherapieformen auch, die grundlegende Fähigkeit auf Seiten des Patienten voraussetzt, einer Therapiestunde aufmerksam zu folgen, Gedankenexperimente zu machen und sich an vergangene Therapiestunden oder erlebte Situationen zu erinnern, wird ferner geprüft, ob nur jene Patienten erfolgreich behandelt werden können, die keine klinisch relevanten Konzentrations- und Gedächtnisstörungen aufweisen. Hier geht es also um die Frage nach der Vorhersagbarkeit des Therapieerfolgs und nach limitierenden Faktoren.

Die Teilstudie prüft entsprechend folgende Hypothesen:
1. KVT führt zu einer Modifikation von kognitiven Fehlern (z.B. Fehlattributionen, ungünstiger Attributionsstil, voreiliges Schussfolgern).
2. Ein höheres kognitives Ausgangsniveau geht mit einem besseren Behandlungserfolg in beiden Behandlungsgruppen einher.
3. Kognitive Defizite und deren therapiebedingte Modifikation sind unabhängig von basalen kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit und verbalem Gedächtnis.
4. Kognitive Fehler stehen in Zusammenhang mit der Ausprägung von Wahnsymptomatik zu Beginn der Therapie.

Methode und Messinstrumente
Fehler bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt werden mittels Fragebögen und durch spezifische Testverfahren geprüft. Erfasst wird der Attributionsstil bei vorgestellten positiven und negativen Situationen (interne versus externe, stabile versus variable Ursachenzuschreibung), schlussfolgerndes Denken, sowie die Wahrnehmung emotionaler Gesichtsausdrücke und sozialer Situationen.
Kognitive Defizite werden durch eine kurze neuropsychologische Testbatterie erfasst, die sprachliche Fähigkeiten, Aufmerksamkeit, schlussfolgerndes Denken und Gedächtnis prüft.

http://www.meb.uni-bonn.de/psychiatrie/deutsch/forschung/ag/neuropsychol...