Projekt 3: Ökonomieevaluation

König et al.
Ökonomische Evaluation Kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung von Positiv-Symptomen bei psychotischen Störungen
(Economic evaluation of cognitive behavioral therapy for positive symptoms in psychotic disorders)

Hintergrund und Zielsetzung
Demographischer Wandel und technischer Fortschritt bedingen in Deutschland eine steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen, der jedoch nur begrenzte Ressourcen gegenüber stehen. Daher gewinnt der Aspekt der Wirtschaftlichkeit einzelner Gesundheitsleistungen zunehmend an Bedeutung. Um die Wirtschaftlichkeit einer Gesundheitsleistung zu beurteilen, werden ihre Kosten und ihre Effekte zueinander ins Verhältnis gesetzt. Dabei wird zwischen direkten Kosten (Kosten für medizinische Versorgung durch Klinikaufenthalte, Medikation etc.) und indirekten Kosten (volkswirtschaftlicher Produktionsausfall durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, reduzierte Leistungsfähigkeit etc.) unterschieden.
In diesem Projekt wird eine vollständige ökonomische Evaluation der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) aus der gesellschaftlichen Perspektive durchgeführt. Hierfür werden die direkten und indirekten Kosten und die gesundheitlichen Effekte bei Durchführung der KVT und bei Durchführung der Vergleichsalternative „unterstützende Therapie" (ST) gemessen und die inkrementelle Kosten-Effektivitäts-Relation (IKER) berechnet. Die IKER beschreibt das Verhältnis der zusätzlichen Kosten zu den zusätzlichen Effekten bei Durchführung von KVT im Vergleich zu ST. Sie entspricht somit den Kosten für eine zusätzliche Effekteinheit, die dann entsteht wenn man KVT anstelle von ST durchführt.

Methode und Messinstrumente
Die direkten und indirekten Kosten werden in beiden Studienarmen vor, während und nach der Therapie mit Hilfe eines modifizierten „Client Sociodemographic and Service Receipt Inventory" (CSSRI) kalkuliert. Der CSSRI erfasst die insgesamt von den Patienten in Anspruch genommenen Mengen unterschiedlicher Gesundheitsleistungen und Arbeitsausfallzeiten. Um Kosten zu ermitteln, werden die im CSSRI erfassten Mengen anschließend mit Marktpreisen monetär bewertet. Sind keine Marktpreise verfügbar, werden mit Hilfe von administrativen Preisvorgaben oder Durchschnittspreisen sogenannte „Schattenpreise" ermittelt.
Für die Abschätzung der gesundheitlichen Effekte von KVT und ST werden zwei Effektmaße verwendet. Zunächst wird vor, während und nach der Therapie ein Lebensqualitätsfragebogen (EQ-5D) erhoben, der aus einem Gesundheitsprofil und einer visuellen Analogskala besteht und die Berechnung von qualitätsgewichteten Lebensjahren (QALYs) ermöglicht. Während QALYs ein Effektmaß darstellen, das die subjektiv empfundene Lebensqualität wiederspiegelt, wird als objektives Effektmaß der Behandlung ein Maß für die Positivsymptomatik (PANSS-Score) verwendet.
Um die IKER auch für langfristig auftretende Kosten und Effekte zu ermitteln, wird über die Follow up Zeit des Projektes hinaus ein Markov-Modell erstellt. Markov-Modelle simulieren den Verlauf einer Erkrankung über die Zeit und ermöglichen so die Berechnung langfristiger Kosten und Effekte.